von Emmerich Haider März 2008
Anfang des Jahres 2008 liest meine Frau Anna in der Zeitung von der Möglichkeit, an einer Reise in die Sahara teilzunehmen. Nach einigen Vorbehalten und einigem Hin und Her lasse ich mich überreden, mit ihre diese Reise anzutreten, sie meldet uns an und wir bezahlen den Preis. Und so starten wir die Reise in die Tunesische Sahara schließlich termingerecht am 18. März des Jahres 2008.
Angekommen in Djerba kann es also beginnen. Wir fahren mit den Jeeps zur Fähre, übersetzen auf das Festland und erreichen nach einer mehrstündigen Fahrt in etwa südwestlicher Richtung die Stadt Douz, die letzte größere Ansiedlung vor der Wüste, wo wir uns unter anderem noch mit dem bekannten Tuch ausrüsten, welches jeder ordentliche Wüstenbewohner kunstvoll um den Kopf geschlungen hat und das einen unaussprechlichen Namen hat. Diese etwa 30 cm breite und entweder 3 oder 6 m lange Baumwollstoffbahn sieht nicht nur schön aus, sie schützt auch hervorragend gegen die pralle Sonne und gegen den Wüstensand in der Luft. Nach weiterer Fahrt mit den Jeeps erreichen wir unser Basiscamp in der Wüste nach Sonnenuntergang bzw. bei sternenklarer Mondnacht.
Zum ersten Mal in meinem fast sechzig Jahre langen Leben betrete ich nun Wüstenboden. Die Dünen ringsum sind mit kleinen Solarlampen bestückt und der Mond taucht die sanften Linien der Landschaft in ein kühles, friedliches Licht. Ich versuche, diesen Augenblick ganz bewusst zu erleben. Muss man doch bedenken, dass ich diese Situation zum ersten Mal, und vielleicht auch zum letzten Mal während meines Lebens erfahren werde.
Unsere Margit macht uns mit dem Betreiber des Camps, einem Einheimischen mit Namen Brahim und dem Campkoch namens „Hedi“ bekannt. Wir werden mit den Einrichtungen des Lagers vertraut gemacht und bekommen anschließend vom Koch Hedi noch ein reichhaltiges Abendessen serviert. In der Nähe von Hede verspüre ich ein eigenartiges Gefühl, vermag es aber mit dem Verstand nicht zu erklären. Es ist, als hätte ich den Mann in meinem Leben schon gesehen, er ist mir fast vertraut. Unauffällig versuche ich, ihn zu beobachten, um herauszubekommen, woher mir das Wesen dieses Mannes bekannt sein könnte. Mir fällt nichts ein, so sehr ich auch nachgrüble. Es ist ein gutes Gefühl und der offene Blick aus den dunklen Augen dieses Mannes rührt an mein Herz.
Nachdenklich verlasse ich das Essenszelt, und ich rechtfertige mein wunderliches Gefühl mit dem Eintauchen in einen völlig fremden Kulturkreis, an den ich mich erst gewöhnen muss. Ich sollte jedoch eies bessere belehrt werden. Nach einer Woche sollte ich darüber mehr wissen. Doch davon später.
Jetzt steht zunächst einmal das Abenteuer oder Erlebnis Wüstentrekk bevor. Die erste Nacht unter dem Himmel von Afrika verläuft ruhig und wir bekommen einen erholsamen Schlaf geschenkt. Der erste Morgen in der Sahara war kühl, der Sonnenaufgang zeigte sich wolkenlos. Der Vormittag stand uns zur Eingewöhnung zur Verfügung.
Bis zum Abmarsch nach dem Mittagsmahl haben wir noch Zeit. Der Rest der Gruppe macht eine kurze Wanderung während ich versuche, mit den Kamelen, die in der Nähe angebunden sind, Bekanntschaft zu machen. Diese groß gewachsenen Tiere sind nach meiner Erfahrung sehr gutmütige Wesen. Wenn man sich ihnen von vorne nähert, so lassen sie einen ganz an sich heran, man darf sie berühren du sie beschnuppern einen mit ihrer seiden weichen Schnauze.
Unser Campkoch Hedi ruft zum Mittagessen. Während er mit geübten Händen das Essen serviert, betrachte ich ihn unauffällig von der Seite. Diese Augen, diese Grübchen auf Kinn und Wangen, die energischen Backenknochen und die Falten auf der Stirne. Und der offene und zugleich abschätzende Blick. Mir kommt vor, dieser Mann blickt mir direkt in die Seele. Woher ist er mir nur so bekannt? Es fällt mir nicht ein. Noch nicht...
Nach dem Essen stellen wir unser Gepäck für das Bepacken der zwischenzeitlich eingetroffenen gesattelten Kamele bereit. Jetzt lernen wir zum ersten Mal unsere drei Kamelführer kennen. Alle drei heißen mit Vorahmen Ahmed! Das Bepacken der Tiere beginnt. Unglaublich, welche Mengen an Last diese Tiere tragen können. Ich bekomme als Reittier das größte der Kamele, nämlich „Alexander den Großen“ zugeteilt. Nachdem er bepackt ist, bedeutet mir Ahmed, mich auf den Rücken des Tieres zu setzen. Selbst in sitzendem Zustand ist die Sitzposition fast einen Meter hoch, sodass man mit Schwund aufsitzen muss. Dann kommt der schwierigste Teil, nämlich das Aufsehen des Kameles. Zuerst erhebt es sich mit den Hinterbeinen, sodass man Acht geben muss nicht augenblicklich vornüber zu kippen. Dann stellt sich das Tier noch auf die Vorderbeine und er Reiter sitzt mit dem Kopf etwa 2,5 m hoch oben. Wir reiten los du es fällt einem auf, wie trittsicher sich Kamele auf dem Sand bewegen. Einerlei, ob es nun bergauf, bergab oder schräg seitlich über den Dünensand geht. Man hat immer das Gefühl, dass das Tier guten Halt hat. Das Reiten selbst ist für mich relativ schnell zu erlernen. Am besten funktioniert es, wenn man die Augen schließt und mit den Bewegungen des Kamelrückens mitschwingt. So behält man selbst ein unversehrtes Hinterteil und erleichtert auch dem Tier das Tragen des Reiters....
Nadh gut zwei Stunden auf dem Rücken des Kamels schmerzt mein Hinterteil dann doch ein wenig, ich steige ab und gehe die restliche dreiviertel Stunde bis zum ersten Wüstenlageplatz zu Fuß. Es kommt leichter Wind auf und die Sonne verdüstert sich hinter einem Sandschleier. Die letzten paar hundert Meter beobachte ich Ahmed, „den Heizer“, wie er herumliegendes Dürrholz aufhebt und mit sich nimmt. Der Lagerplatz ist also nahe und ich nehme ebenfalls einiges Hilz mit. Auf einer leicht erhöhten ebenen Fläche wird Halt gemacht, die Zelte werden aufgebaut und alles wird für die Nacht gerichtet. Ich suche aus meiner Reisetasche die Stirnlampe hervor um sie später, wenn es dunkel ist, sofort zur Hand zu haben. Es ist erstaunlich, wie schnell unsere Begleiter ihrerseits die Vorbereitungen für die Zubereitung des Abendessens treffen. Ich bin kaum mit dem Zelt fertig, da hat Ahmed „der Bäcker“ bereits ein Backfeuer entfacht und ist schon dabei, den Brotteig zu kneten. Und Ahmed „der Koch“ schneidet Gemüse in den Topf über dem Kochfeuer.
FORTSETZUNG FOLGT....