Oliver Huber lässt uns freundlicherweise an seiner ganz persönlichen SANDAUFLÖSUNGSWÜSTENMEDITATION in der Nähe des Wüstencamps im Oktober 2008 teilhaben
Nachdem ich an einem Dünenberg gleich neben dem "Palmenschiff" meine Sitzposition eingenommen habe, schaue ich ringsherum um nach "meinen" Käfern Ausschau zu halten. Erstaunlich - weit und breit keine Käfer bzw. die ich entdecken konnte, vergruben sich im Sand. Merkwürdig - anscheinend ist jetzt ein besserer Zeitpunkt um zu mir zu finden. Ich schließ meine Augen, der Wind bläst heftig und ich spüre die Sandkörner auf der Haut. Der himmlische Wind stört mich überhaupt nicht, im Gegenteil er fasziniert mich mit seiner Kraft und ermutigt mich eher meine Konzentration zu vertiefen.
Ohne auf die Zeit achten zu müssen versinke ich in mir. Immer wieder eine Menge an Gedanken. Periodisch weint es immer wieder aus mir von tiefer Berührtheit ohne den Grund dafür zu wissen. Es ist manchmal noch immer unglaublich hier in der Wüste zu sitzen umgeben von dieser Schönheit.
Auf einmal taucht vor meinen inneren Auge ein ganz in schwarz gekleideter Beduine aus der Wüste auf. Er kommt auf mich zu. Im Näherkommen beginnt er vom Kopf seine Verkleidung abzuwickeln - zu entfernen. Aus der schwarzen Mumie wird ein offener Mensch, durch das Ablegen seiner Hüllen tritt sein Ursprung, seine wahre göttliche Gestalt hervor. All diese Bilder laufen in wenigen Sekunden ab. Ich denke mir dann nur, wenn das nichts mit meinem Wunsch zu tun hat, die Schuppen der Angst und der Verblendung hier in der Wüste zu lassen.
Wieder taucht ein Bild auf, mein Geist ist sehr aktiv. Ich sehe mich hier wie eine Statue aus Sand sitzen. Durch den starken Wind beginnt sich das Abbild meines Egos aufzulösen. Ich sehe mich von innen schauend, wie sich meine materielle Form vom Kopf her aufzulösen beginnt. Langsam, ähnlich einer Sanduhr, wird mein Ich abgetragen. Die Sandkörner des Ichs verlieren sich in der Weite der Wüste und werden zum Teil des allumfassenden Seins. Zuerst wird der Kopf verweht, dann die Arme und Schultern, der Rumpf bis nichts mehr von diesem Ich da ist. Was übrig bleibt ist eine vage Erinnerung der körperlichen Form als zarte, durchscheinende, glasklare Hülle. Ich bin tief bewegt und berührt von dieser Kraft, die hier auf mich wirkt. Überwältigt was hier geschieht, fließen Tränen aus mir.
Die Schuppen der Angst, Verblendungen, Konzepte und Vorstellungen sind wie weggeblasen, was übrig bleibt ist der reine, klare Geist. Zumindest für diesen Moment. Das Wünschen hat sich in diesem Augenblick verloren - einfach hier sein, einfach sein und sonst nichts.
Wie viel Zeit ist vergangen? Ich weiß es nicht. Mein Körper beginnt sich zu melden in Form von Knieschmerzen. Ich stehe auf, mache Pause, gehe eine Runde hier um diesen Platz. Ich setzte mich erneut hin, doch es stellt sich nicht mehr so tiefe Konzentration ein. Nach geraumer Zeit schaue ich auf die Uhr und merke, dass es Zeit ist, aufzubrechen um halbwegs pünktlich zum Mittagessen zu kommen.